Bedarfsanalyse des ttz Bremerhaven zeigt Potenziale und Herausforderungen regionaler Lebensmittel-Wertschöpfungsketten
Bremerhaven, September 2026

Wie können regionale Rohstoffe besser genutzt und regionale Lebensmittel-Wertschöpfungsketten in Bremerhaven und dem Umland gestärkt werden? Welche Strukturen braucht es, damit Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Logistik und Außer-Haus-Verpflegung besser zusammenarbeiten können? Diesen Fragen widmete sich die Bedarfsanalyse „RegioValue – Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten durch die Erarbeitung eines Bedarfsatlas“, die das ttz Bremerhaven im Auftrag der BIS – Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH durchgeführt hat.
Ziel war es, eine belastbare Informationsgrundlage für ein mögliches regionales Rohstoffnetzwerk zu schaffen. Dafür wurden bestehende Strukturen analysiert, eine Online-Umfrage durchgeführt, Fachleute entlang der Wertschöpfungskette interviewt und die Ergebnisse in Workshops gemeinsam diskutiert.

Linda Böhm und Beate Hajek vor dem Workshop mit den Anspruchsgruppen im first Bremerhaven (Foto: Benjamin Küther)
Der Bedarf ist vorhanden – die Umsetzung anspruchsvoll
Die Ergebnisse zeigen, dass das Interesse an regionalen Rohstoffen und einer stärkeren Zusammenarbeit vorhanden ist. Gleichzeitig bestehen praktische Herausforderungen:
- fehlende Transparenz über regionale Angebote, Bedarfe und verfügbare Mengen,
- hoher Abstimmungs- und Verwaltungsaufwand durch viele Einzelkontakte,
- Herausforderungen bei Transport, Lagerung und Bündelung,
- unterschiedliche Planungszeiträume sowie saisonale Schwankungen.
Dabei haben die Akteure unterschiedliche Anforderungen. Landwirtschaftliche Betriebe benötigen Planungssicherheit. Größere Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung und Verarbeiter benötigen dagegen verlässliche Kontingente und gebündelte Abwicklungsstrukturen. Kleinere gastronomische Betriebe können dagegen je nach Bedarf häufig flexibler mit direkten Lieferbeziehungen arbeiten.
Ein regionales Rohstoffnetzwerk muss diese unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigen und flexibel gestaltet sein.
Drei Bausteine für die weitere Entwicklung
Auf Grundlage der Analyse und der gemeinsamen Workshops wurden drei zentrale Entwicklungsfelder herausgearbeitet und vorgeschlagen:
1.Rohstoff-Hub – Mikrologistik und Bündelung regionaler Rohstoffe und Zwischenprodukte – zentral oder dezentral organisiert, ergänzt durch Optimierung und damit kurzer Transportwege, alternative Antriebstechnik (H2, Elektro) und Kooperationen mit bestehenden Logistikstrukturen.
2. Digitale Integration bestehender Nachhaltigkeitskennzahlen („Neue Qualitäten“) über IT-Schnittstellen, um ökologische und soziale Werte praxisnah nutzbar zu machen, ohne neue Systeme parallel aufzubauen.
3. Sichtbarkeit und Kommunikation der Mehrwerte durch verständliches Storytelling, Unterstützung bei Endkundenkommunikation und öffentlichen Ausschreibungen sowie maximale Transparenz statt starrer Regionaldefinitionen.
Netzwerke brauchen Menschen, die dranbleiben
Eine zentrale Erkenntnis aus RegioValue ist: Regionale Wertschöpfungsketten entstehen nicht allein durch Plattformen oder technische Lösungen.
Die beteiligten Akteure müssen sich kennenlernen, Vertrauen entwickeln und dauerhaft im Austausch bleiben. Dafür braucht es Menschen und Organisationen, die solche Prozesse koordinieren und langfristig begleiten – beispielsweise im Rahmen eines Wertschöpfungskettenmanagements oder einer Netzwerkkoordination. Ziel muss es sein, bestehende Initiativen und Strukturen miteinander zu verbinden, um gemeinsam tragfähige Projektideen zu entwickeln.
Die Bedarfsanalyse versteht sich daher als Ausgangspunkt für weitere Entwicklungsschritte. Für 2026 sind bereits Vernetzungsveranstaltungen von anderen regionalen Akteuren geplant. Die nächste Gelegenheit weitere Informationen zur Studie zu bekommen und mit den daran beteiligten Personen in den Austausch zu gehen ist im Oktober möglich:
RegioPioniere (eine Veranstaltung der Bremer Volkshochschule in Kooperation mit dem MOIN! Ernährungsrat)
Kurzpräsentation der Ergebnisse der Bedarfsanalyse “RegioValue-Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten durch die Erarbeitung eines Bedarfsatlas” mit anschließenden Workshops zu Mikrologistik, Kund:innenkommunikation und Handelsplattformen
20. Oktober 2026 ab 17:30
Café Findus Bremerhaven (Bürgermeister-Smidt-Straße 218, 27568 Bremerhaven)
Anmeldung und Infos über Lena Paus (lena.paus@vhs-bremen.de)
Wenn sich aus der weiteren Vernetzung ein belastbares Konsortium und eine gemeinsame Projektidee entwickeln, können darauf aufbauend weitere Umsetzungsschritte und Folgeprojekte entstehen.
Die vollständige Studie „RegioValue – Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten durch die Erarbeitung eines Bedarfsatlas“ steht auf der Webseite der BIS Bremerhaven zum Download bereit. Hier geht es zur Studie: https://www.bis-bremerhaven.de/Mediathek/Studien/RegioValue_Bericht_FINAL.pdf
Kontakt:
Linda Böhm
ttz Bremerhaven
Tel. 0471 80934-200
lboehm@ttz-bremerhaven.de
Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel und Ressourceneffizienz.




